Warum AMLR die User Experience im Corporate Banking neu definieren wird

Von regulatorischer Pflicht zur geführten digitalen Experience

In den vergangenen Jahren haben viele Banken bereits begonnen, Compliance neu zu denken. Führende Institute bewegen sich weg von manuellen Prozessen hin zu stärker digitalisierten und strukturierten Ansätzen für KYC und Onboarding.

Diese Ansätze bleiben jedoch häufig fragmentiert und sind noch nicht konsequent in die Customer Experience integriert.

Mit der kommenden Anti-Money Laundering Regulation (AMLR) wird dieser Wandel verpflichtend – und vor allem EU-weit standardisiert.

Compliance verschwindet nicht. Aber sie wird digital, strukturiert und direkt in die Customer Journey eingebettet.

Dadurch entsteht eine grundlegende Frage: Wem gehört eigentlich die Compliance Experience?

Compliance wurde nie für Nutzer entwickelt

Compliance betrifft nicht jeden Nutzer gleichermaßen – aber wenn sie relevant wird, prägt sie die Wahrnehmung der Bank oft entscheidend.

KYC-Prozesse wurden traditionell rund um regulatorische Anforderungen aufgebaut, nicht rund um Nutzerbedürfnisse.

Besonders sichtbar wird das an entscheidenden Momenten – insbesondere für Personen, die in Unternehmen für Onboarding, rechtliche Vertretung oder Compliance verantwortlich sind.

Gerade hier wirken Prozesse häufig losgelöst vom eigentlichen Banking-Erlebnis. Informationen werden mehrfach angefragt, Dokumente per E-Mail ausgetauscht und Transparenz ist begrenzt.

Für die Beteiligten sind Onboarding und Compliance-Prüfungen deshalb nicht nur unbequem – sie gehören oft zu den frustrierendsten Interaktionen mit einer Bank.

Und dennoch zählen sie zu den kritischsten Prozessen – und gleichzeitig zu den wertvollsten Quellen für Kundeninformationen.

AMLR gibt die Richtung vor

AMLR schafft ein neues Maß an Konsistenz innerhalb der EU. Zum ersten Mal werden zentrale Aspekte der Geldwäscheprävention unmittelbar in allen Mitgliedsstaaten anwendbar sein – und reduzieren damit Fragmentierung und Interpretationsspielräume.

Dazu gehören:

  • standardisierte Anforderungen an die Identitätsprüfung
  • die stärkere Nutzung digitaler Identitäten, einschließlich der EU Digital Identity (EUDI) Wallet, nationaler eID-Systeme und Trust Services
  • klarere Definitionen und Offenlegung wirtschaftlich Berechtigter
  • ein stärker zentralisierter Aufsichtsrahmen

Die eigentliche Auswirkung liegt jedoch nicht im regulatorischen Detail, sondern in der strukturellen Veränderung.

Compliance-Prozesse sind künftig keine isolierten Hintergrundaufgaben mehr. Sie werden zu strukturierten digitalen Workflows, die sich direkt in das Banking-Erlebnis integrieren lassen.

Vom Prozess zur Journey

Mit der zunehmenden Digitalisierung und Standardisierung von Identitäts- und Compliance-Prüfungen können diese stärker in die kundenseitige Experience integriert werden – weiterhin gesteuert und kontrolliert durch spezialisierte Compliance-Funktionen.

Das verändert grundlegend, wie Compliance wahrgenommen wird. Statt weitgehend unsichtbar und asynchron im Hintergrund abzulaufen, werden Prozesse unmittelbarer, strukturierter und transparenter – sowohl für Kunden als auch für Bankmitarbeiter.

Die zugrunde liegenden Aufgaben verschwinden dabei nicht. Dokumente müssen weiterhin bereitgestellt und Informationen weiterhin validiert werden.

Was sich verändert, ist die Art und Weise, wie dies geschieht. Heute sind Compliance-Prozesse häufig geprägt von getrennten Kanälen, geringer Transparenz und manueller Bearbeitung.

Morgen werden sie strukturiert, automatisiert und direkt in sichere digitale Kanäle eingebettet – ausgelöst zum richtigen Zeitpunkt und Schritt für Schritt geführt.

Aus einem fragmentierten Prozess wird eine zusammenhängende, nutzerorientierte Journey.

Nutzer warten nicht länger darauf, dass Compliance „im Hintergrund passiert“. Sie durchlaufen den Prozess aktiv – unterstützt durch strukturierte Abläufe, integrierte Dokumentenprozesse und eingebettete Identitätsservices.

Dieser Wandel dient nicht nur dazu, regulatorische Anforderungen effizienter zu erfüllen. Er verändert auch, was Banken mit den gewonnenen Informationen anfangen können.

Statt isoliert Dokumente zu sammeln, erhalten Banken strukturierte und kontextbezogene Daten, die ein tieferes Verständnis ihrer Kunden ermöglichen – insbesondere in Segmenten wie dem SME-Bereich, in denen persönliche Interaktion häufig begrenzt ist.

In diesem Sinne wird Compliance mehr als nur eine Pflicht. Sie wird zur Grundlage für relevantere, zeitnähere und kontextbezogene Banking-Services.

Der Aufstieg der orchestrierten Banking Experience

Hinter den Kulissen erhöht AMLR die Komplexität.

Banken müssen unterschiedlichste Services kombinieren: Identitätsanbieter, Trust Services, interne Systeme und regulatorische Prüfungen. All diese Komponenten spielen eine Rolle bei der Erfüllung von Compliance-Anforderungen.

Die Herausforderung besteht dabei nicht nur in der Integration – sondern in der Orchestrierung.

Banken benötigen eine Ebene, die all diese Elemente zusammenführt, Prozesse strukturiert und sie konsistent gegenüber dem Nutzer sichtbar macht.

In der Praxis bedeutet das:

  • die Koordination von Identitätsprüfung und Dokumentensammlung
  • das Auslösen und Steuern von Workflows über verschiedene Systeme hinweg
  • die Sicherstellung, dass jeder Schritt für Bank und Kunde transparent und nachvollziehbar bleibt

Entsprechend entwickelt sich auch der Corporate Banking Channel weiter.

Er ist nicht länger nur ein Zugangspunkt für tägliche Transaktionen.  
Er wird zum Service Center für strukturierte End-to-End-Journeys – der Ort, an dem regulierte Prozesse nahtlos orchestriert und bereitgestellt werden.

UX wird zum Differenzierungsfaktor

Je stärker regulatorische Anforderungen über Märkte hinweg harmonisiert werden, desto stärker verschiebt sich auch die Grundlage für Differenzierung.

Banken konkurrieren schon heute darüber, wie sie Compliance-Prozesse bereitstellen. AMLR verstärkt diese Dynamik und macht Unterschiede in der User Experience sichtbarer und vergleichbarer.

Die Frage lautet künftig nicht mehr, ob regulatorische Anforderungen erfüllt werden – sondern wie nahtlos und effizient dies geschieht.

Eine gut gestaltete Experience kann:

  • Onboarding-Zeiten reduzieren
  • Reibungsverluste und Abbrüche minimieren
  • Transparenz erhöhen
  • operativen Aufwand senken

Compliance ist damit nicht länger nur ein Kostenfaktor. Sie wird Teil der Customer Experience – und damit zu einem Wettbewerbsfaktor.

Continuous KYC bedeutet kontinuierliche Interaktion

AMLR stärkt das Konzept des laufenden Monitorings.

KYC ist kein einmaliger Onboarding-Prozess mehr. Es wird zu einem kontinuierlichen Bestandteil der gesamten Kundenbeziehung.

Das bedeutet:

  • Daten müssen regelmäßig aktualisiert werden
  • Veränderungen lösen neue Prüfungen aus
  • Interaktionen werden häufiger

Schlecht umgesetzt führt das zu zusätzlicher Reibung.

Gut umgesetzt entsteht daraus ein strukturierter, kontinuierlicher Dialog zwischen Bank und Kunde – direkt eingebettet in den digitalen Kanal und unterstützt durch datengetriebene Journeys.

Was das für Banken bedeutet

Der durch AMLR ausgelöste Wandel erfordert frühe Vorbereitung – und einen Perspektivwechsel. Compliance kann nicht länger als isolierte Funktion betrachtet werden.

Sie muss als Teil der gesamten User Experience gestaltet werden – unterstützt durch Orchestrierungsfähigkeiten innerhalb des Client Channels.

Dazu gehört:

  • die Analyse bestehender Onboarding- und KYC-Prozesse
  • die Identifikation von Fragmentierung
  • die Bewertung von Digital-Identity-Integrationen
  • die Neugestaltung von Prozessen als strukturierte Journeys

Das Ziel ist nicht nur Compliance. Es ist eine bessere Experience.

Fazit

AMLR führt nicht einfach nur neue Regeln ein. Die Verordnung verändert, wo Compliance stattfindet: vom Backoffice hin zum Front-End-Channel und direkt in die User Experience.

Die Banken, die erfolgreich sein werden, sind nicht zwangsläufig diejenigen, die AMLR am schnellsten umsetzen.

Es sind diejenigen, die Compliance in eine nahtlose, strukturierte und orchestrierte Journey verwandeln.

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 Patrick Brüns coconet Group

Patrick Brüns

Head of Marketing

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