Von Fragmentierung zu Intelligenz: die drei Reifestufen des "Intelligent Engagement Maturity Model"

Corporate Banking steht an einem Wendepunkt. Nicht, weil es an Technologie fehlt, sondern weil sich die Erwartungen der Kunden schneller verändern als die Strukturen vieler Banken. Wer digitale Interaktion weiterhin als reine Kanalfrage begreift, riskiert den schleichenden Verlust von Relevanz.

Auf Basis umfangreicher Interviews und eigener Forschung haben wir drei klar unterscheidbare Stufen digitaler Reife identifiziert. Sie zeigen, wie Banken heute mit ihren Unternehmenskunden interagieren – und warum nur eine dieser Stufen langfristig tragfähig ist. 

Der stille Treiber: veränderte Erwartungen 

Die neue Realität im Corporate Banking ist kein Zukunftsszenario, sie ist bereits Alltag. Rund 73 Prozent der heutigen B2B-Entscheider gehören zur Generation der Millennials. Sie vergleichen Banken nicht mehr mit Banken, sondern mit den besten digitalen Erlebnissen, die sie kennen – unabhängig von Branche oder Kontext. 

Was sie erwarten, ist kein „digitalisiertes Banking“, sondern digitale Selbstverständlichkeit: unmittelbarer Zugang, klare Prozesse, maximale Transparenz und die Freiheit, Dinge eigenständig zu erledigen. 
Wie unser Head of Pre-Sales Andre Zimmermann es formuliert: 

Die Erwartungen im Corporate Banking werden zunehmend durch Erfahrungen geprägt, die außerhalb des Corporate Bankings entstehen. 

Diese Erwartungen sind nicht verhandelbar. Banken können sie ignorieren – oder sie zum Ausgangspunkt ihrer Strategie machen.

Zugang und Autonomie werden zum neuen Standard

In Gesprächen mit Banken zeigt sich immer wieder dasselbe Muster: Kunden akzeptieren keine unnötigen Abhängigkeiten mehr. Sie wollen nicht warten, nicht nachfassen und nicht mehrfach erklären müssen. Sie wollen handeln können. 

Ein Berater aus dem Commercial Banking einer globalen Top-50-Bank bringt es nüchtern auf den Punkt: 

Digitalisierung ist kein Komfortmerkmal mehr. Sie entscheidet darüber, ob Kunden Dinge sofort erledigen können – oder eben nicht. 

Digitale Interaktion wird damit zur Grundvoraussetzung für Kundenbindung. 

Das Intelligent Engagement Maturity Model

Um diese Entwicklung greifbar zu machen, haben wir das Intelligent Engagement Maturity Model entwickelt. Es beschreibt drei Reifestufen, die sich in der Praxis immer wieder zeigen: 

  • Fragmentiertes Engagement
  • Integrierte Interaktion
  • Intelligente Orchestrierung 

Das Modell basiert auf Interviews und proprietärer Forschung mit Banken unterschiedlicher Größe und Ausrichtung. Es erklärt, warum viele Digitalisierungsinitiativen ins Stocken geraten – und was es braucht, um den nächsten Schritt zu gehen. 

Stufe 1: Fragmentiertes Engagement – Digitalisierung ohne Wirkung 

In der ersten Stufe haben Banken einzelne Services digitalisiert, jedoch ohne übergreifende Logik. Isolierte Lösungen existieren nebeneinander, ohne sinnvoll ineinanderzugreifen. 

Für Kunden bedeutet das Medienbrüche, manuelle Schritte und inkonsistente Erlebnisse. 
Für interne Teams entstehen Komplexität, Sonderprozesse und operative Mehrarbeit. 

Typische Merkmale:

  • Getrennte digitale Kanäle ohne echte Integration
  • Manuelle Eingriffe in kritischen Prozessen
  • Daten werden gesammelt, aber kaum genutzt
  • IT-getriebene Veränderungen ohne CX-Perspektive 

Digitalisierung findet statt – erzeugt aber keinen spürbaren Mehrwert. 

Stufe 2: Integrierte Interaktion – Fortschritt mit Grenzen 

In der zweiten Stufe konsolidieren Banken ihre Systeme und beginnen, Prozesse stärker aus Kundensicht zu denken. Portale werden vereinheitlicht, Automatisierung nimmt zu, Verantwortlichkeiten werden klarer. 
Das ist ein wichtiger Fortschritt – aber noch keine Transformation. 
Effizienz reduziert Reibung, verändert jedoch nicht grundlegend die Rolle der Bank im Kundenverhältnis. 

Typische Merkmale:

  • Zentrale Portale für Kernservices
  • Teilautomatisierte Prozesse
  • Erste Personalisierungsansätze
  • Journey-orientierte Teams 

Effizienz verbessert Abläufe, schafft aber noch keine Differenzierung.

Stufe 3: Intelligente Orchestrierung – von Services zu Partnerschaft 

Erst in der dritten Stufe wird digitale Interaktion strategisch. Banken orchestrieren ihre Services aktiv entlang der Kundenbedürfnisse – nicht entlang interner Systeme. 
Daten werden nicht nur gesammelt, sondern genutzt. Plattformen sind modular aufgebaut. Frontends lassen sich flexibel anpassen. Produkt-, Operations- und CX-Teams arbeiten entlang gemeinsamer Ziele. 

Typische Merkmale:

  • Hohe Frontend-Flexibilität zur Gestaltung digitaler Journeys
  • Echtzeitdaten und fortgeschrittene Analytik
  • API-basierte Plattformarchitekturen
  • Kontinuierliche Optimierung statt Projektdenken
  • Agentische KI zur Automatisierung komplexer Workflows 

Hier wird digitale Interaktion zum strategischen Hebel – nicht zum Kostenfaktor. 

Warum Stillstand keine Option mehr ist

Unternehmenskunden messen ihre Bank längst an den besten digitalen Erlebnissen, die sie kennen. Ein Customer-Sales-Advisor formulierte es drastisch: 

Wir verlieren Kunden an Banken, bei denen nichts mehr physisch erledigt werden muss. 

Die Effekte intelligenter Orchestrierung sind messbar. In der Praxis sehen wir unter anderem bis zu zehnmal schnelleres Onboarding und rund 50 Prozent geringere Prozesskosten durch konsequent digitalisierte End-to-End-Journeys. 

Noch wichtiger ist jedoch der strukturelle Effekt: Banken entwickeln sich vom reinen Serviceanbieter zum technologisch unterstützten Partner. 

Die entscheidende Frage 

Die Frage ist nicht mehr, ob Banken ihre digitale Interaktion weiterentwickeln müssen. 

Die Frage ist, wie bewusst sie diesen Schritt gehen. 

Das Intelligent Engagement Maturity Model hilft dabei, den eigenen Standort realistisch einzuordnen – und gezielt die nächsten Schritte zu definieren. 

Wo steht Ihre Bank? Entdecken Sie unser Reifegradmodell, einschließlich der Auswirkungen auf das Kundenerlebnis in jeder Phase, typischer Transformationsherausforderungen und Schritt-für-Schritt-Pläne, um Ihre digitale Weiterentwicklung zu beschleunigen.

Vollständigen Bericht lesen

Zurück zur Übersicht

Teilen