Blog: Kann EBICS ein europaweiter Standard werden?


Joachim Blank
Produkt- und Kundenmanager bei CoCoNet

 

EBICS sollte ein europaweiter Standard werden – und das sind die Gründe dafür

Bankenstandards sind nicht unbedingt das spannendste Thema der Welt. Der Electronic Banking Internet Communication Standard (EBICS) ist jedoch ein echter „Gamechanger“. Er wurde 2005 eingeführt und ist ein Interbankenprotokoll, das ursprünglich von der Deutschen Kreditwirtschaft entwickelt wurde. Er wurde zum Datenaustausch zwischen Banken und Unternehmen über das Internet geschaffen und ersetzte ältere Kommunikationsnetze, die in ihrer Bandbreite begrenzt waren.

Und wo stehen wir jetzt? Nun, das Protokoll ist fest etabliert und wird als Kommunikationskanal für den sicheren Informationsaustausch von Kunden und Banken in Deutschland, Frankreich, der Schweiz und Österreich genutzt. Und die Popularität nimmt ständig zu. Angesichts des großen Interesses von multinationalen Kunden an der Nutzung des Protokolls integrieren auch Banken in anderen europäischen Ländern EBICS in ihre Systeme.

Was macht EBICS so besonders?

Meiner Meinung sprechen folgende Gründe für den Einsatz:

  • Kosten. EBICS hilft Kosten einzusparen. Das liegt daran, dass die Nutzung der Netzwerkinfrastruktur (nahezu) gebührenfrei ist – und damit natürlich viel kostengünstiger als SWIFT.
  • Kundenbindung. Natürlich wollen Sie Ihre Firmenkunden halten – das versteht sich von selbst – und EBICS hilft ihnen dabei. Bieten Sie Ihren Kunden einen Multibanken-Überblick über alle ihre Konten bei allen Banken, die EBICS nutzen, und positionieren Sie Ihre Bank als Premiumpartner. Außerdem haben Sie eine direkte bi-laterale Verbindung zu Ihren Firmenkunden ohne einen zwischengeschalteten Drittanbieter.
  • Sicherheit. Sie wünschen sich einen schnellen und sicheren Internet-Kommunikationskanal, der Ihre Bank mit ihren Kunden verbindet? In EBICS werden Sie fündig. Die modernen Funktionalitäten des Protokolls umfassen HTTPS, XML, Dateikomprimierung, Verschlüsselung und digitale Unterschriften. Außerdem ermöglicht das Protokoll eine Ende-zu-Ende-Sicherheit unter Verwendung aktueller Sicherheitsverfahren.
  • Einsatzmöglichkeiten. EBICS funktioniert tatsächlich für alles. Das Protokoll unterstützt jede Art von Geschäftsvorfällen, darunter Lastschriften und Überweisungen, Kontoauszüge, Cash Management, Statusnachrichten, Wertpapierorder, Avale und Akkreditive und vieles mehr.
  • Anwendungsfälle: EBICS ermöglicht es Banken außerdem, Kundenstammdaten automatisch in ihre Systeme zu importieren und umgekehrt: Firmenkunden können Stammdaten (z.B. Berechtigungsprofile) herunterladen, um ihre eigenen Daten mit der Bankkonfiguration zu synchronisieren.
  • Mobilität. Mit EBICS können Ihre Kunden so richtig durchstarten. Der Standard ermöglicht nicht nur die Übertragung von Daten, sondern kann auch zur Ausführung von Zahlungen, Avalen und Wertpapierorder unter Verwendung elektronischer Unterschriften verwendet werden. Autorisierungen durch mehrere Personen innerhalb der Organisation Ihres Kunden können anwendungs-, orts- und zeitunabhängig erfolgen. Dabei können die Anwendungen auf verschiedensten Geräten (Desktop PCs, Tablets, Smartphones) eingesetzt werden.
  • Sichtbarkeit. Fragt sich Ihr Kunde, ob die Multimillionen-Euro Zahlung von seiner Bank nicht nur empfangen, sondern auch akzeptiert und verarbeitet wird? Jetzt muss er sich darüber nicht mehr den Kopf zu zerbrechen. EBICS unterstützt ein Verarbeitungsprotokoll, in dem die Ergebnisse jeder ausgelösten Kundenaktion ausgewiesen werden. So kann der Firmenkunde nicht nur die Datenübermittlung, sondern auch die Verarbeitung der eingereichten Daten nachvollziehen.

Angesichts dieser Vorteile denke ich, dass es für alle europäischen Banken gute Gründe gibt, EBICS zu unterstützen. Das Protokoll verbessert die Wettbewerbsfähigkeit, indem es für jeden Firmenkunden einen Online-Kommunikationskanal bietet. Zudem wird es auch zunehmend in der Interbankenkommunikation und im Clearing Bereich eingesetzt – aber das ist ein Thema für einen anderen Blogbeitrag.

Außerdem: Banken können Finanzdaten mit ihren Firmenkunden direkt über das Internet austauschen – und das ohne Abhängigkeit von geschlossenen Netzwerkgruppen (z.B. SWIFT). EBICS verfügt über einen standardisierten Kundenregistrierungprozess, der – und das wird Ihnen gefallen – im Vergleich zu SWIFT bemerkenswert unkompliziert ist. Erwähnenswert ist wohl auch, dass jeder Firmenkunde – unabhängig von seiner Größe – EBICS direkt über seine Bank nutzen kann.

Eine Landschaft im Wandel

Ich persönlich finde es erstaunlich, dass EBICS trotz seiner vielen Vorteile noch kein europaweiter Standard ist. Die EBICS-Gesellschaft (die für die Pflege und Weiterentwicklung des Standards verantwortlich ist) ist jedoch bestrebt, die Nutzung auf europäische Länder, die den Standard noch nicht verwenden, auszuweiten und die Datenübermittlung weiter zu harmonisieren.

EBICS passt perfekt zu den allgemeinen Trends, die die europäische Bankenbranche heute prägen. Die überarbeitete Zahlungsdiensterichtlinie (PSD2) schafft einen stärker integrierten europäischen Zahlungsverkehrsmarkt, während der einheitliche Euro-Zahlungsverkehrsraum (Single Euro Payments Area, SEPA) generell die Harmonisierung von Zahlungsinstrumenten und Zahlungsformaten in Europa vorantreibt. EBICS ergänzt diese Entwicklungen um Lösungen für Firmenkunden wie Massendatenverarbeitung und die Autorisierung (Verteilte Elektronische Unterschrift) von Zahlungen durch mehrere Personen gemäß einem granularen mehrstufigen Berechtigungskonzept.

Blick in die Zukunft

Wie wird sich also die Zukunft von EBICS gestalten? Meiner Ansicht nach wird sich das Protokoll zu einem europaweiten Kommunikationskanal entwickeln, der sowohl für die Kunde-Bank-Kommunikation als auch für die Interbanken-Kommunikation genutzt wird.

Außerdem denke ich, dass mehr Länder entweder aktive Mitglieder der EBICS-Gesellschaft werden oder das Protokoll unterstützen werden, ohne ihr beizutreten. Warum? Wenn Multibankenfähigkeit zum neuen Standard im Firmenkundengeschäft wird, werden die Banken von ihren Firmenkunden aufgefordert werden, EBICS zu unterstützen. Und wer kann es ihnen verdenken? Es ist nur natürlich, dass sie die Vorteile dieses kostengünstigen – aber standardisierten – Kommunikationskanal nutzen wollen.

Letztendlich ist EBICS ein zukunftssicheres und benutzerfreundliches Protokoll, das Multibankenfähigkeit ermöglicht und sich seit Jahren in der Praxis bewährt hat. Führende Technologieanbieter haben das Protokoll in ihre Produkte integriert. Wir bei CoCoNet haben EBICS mit Einführung des Standards in unsere Banking-Produkte implementiert. Dank der heute vorhandenen technologischen Möglichkeiten können Banken das Protokoll schnell und einfach übernehmen. In der Tat gibt es keine Ausrede mehr, es nicht zu tun!

EBICS ist eine großartige Sache – und deshalb ist es im Interesse der Banken und ihrer Firmenkunden, dass das Protokoll ein europaweiter Standard wird. Und warum dort aufhören? Potenziell könnte es ein Standard werden, der nicht nur in Europa, sondern auf der ganzen Welt eingesetzt wird.

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